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Nearshoring – ein Trend in den DACH-Ländern

Lesezeit: 6 min

Die allgegenwärtige Digitalisierung und Globalisierung erzwingen heutzutage zunehmend die Optimierung der herkömmlichen Firmenführungsstrategien. Gerade im IT-Bereich entscheiden sich Unternehmen immer häufiger, ganze Firmenprozesse nach aussen zu verlegen und ihre Abwicklung externen Profis zu überlassen.

Der IT-Outsourcing Markt wächst seit Jahren ununterbrochen. Laut Marktanalysen werden die Einnahmen in diesem Sektorbereich im Jahr 2021 weltweit über 350 Milliarden US-Dollar erreichen und in 2025 auf 430 Milliarden US-Dollar steigen (1). Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist dieser Prozess stark im Trend.

Das Onshoring, also die Verlagerung der firmeneigenen Prozesse innerhalb der Herkunftsländer, ist im internationalen Vergleich nicht nur teuer, sondern auch zunehmend erschwert durch den Mangel an Fachkräften. Das Offshoring in das weit entfernte Ausland ist in der Praxis oft umständlich und in Krisenzeiten wie der Pandemie werden die globalen Lieferketten auch im digitalen Dienstleistungsbereich zunehmend unsicher. Laut einer McKinsey-Studie aus dem Jahr 2020 ist daher zu erwarten, dass Nearshoring, also die Verlagerung der firmeneigenen Prozesse in das nahegelegene EU-Ausland, der anhaltende Trend sein wird (2). Es wird prognostiziert, dass dabei die mittel- und osteuropäischen Märkte als Standorte zunehmend an Bedeutung gewinnen werden (3).

Nearshoring – Ihr Teampartner nebenan

Im Gegensatz zum günstigeren, aber oft umständlichen und zunehmend unsicheren Offshoring ins weit entfernte Ausland, bietet das Nearshoring innerhalb der EU durch die räumliche Nähe, einheitliche Rechtslage und barrierefreie Kommunikation alles, was man auch im Herkunftsland bekommen würde, nur zu einem besseren und effektiveren Preisleistungsverhältnis.

Zielsichere Partnerwahl beim Nearshoring

Um einen potentiellen IT-Nearshoring-Zulieferer vorab zu bewerten und auszuwählen, ist es empfehlenswert, eine Checkliste durchzugehen, anhand der der Eigenbedarf identifiziert und die wichtigsten Kriterien, wie der Umfang der angebotenen Dienstleistungen, die Kompetenzen, die Rechtssicherheit sowie die tatsächlichen Kosten, verglichen werden können. Dabei empfiehlt es sich, mit einem Pilotprojekt anzufangen und die Zusammenarbeit zu prüfen, um dann die Gesamtbetreuung der IT-Softwareprojekte dem ausgewählten Nearshoring-Geschäftspartner zu übertragen.

Vorteile von Nearshoring für Deutsche, Österreichische und Schweizer Unternehmen

Durch ihre günstige geographische Lage ist gerade den Unternehmen in den DACH-Ländern ein breites Nearshoring-Angebot im EU-Raum zugänglich, welches sie auch zunehmend gerne nutzen.

Bleiben Sie in EUropa

Gerade bei gemeinsamen Projekten, wo Firmenmitarbeiter miteinander agieren, ist es äusserst relevant, dass beide Seiten nicht nur ähnliche Werte, sondern auch dieselbe Arbeitskultur teilen. Bei Spezialisten und hochqualifizierten Mitarbeitern aus dem nahen EU-Ausland können Sie fest davon ausgehen, dass Sie Ihre Vorstellung von Professionalität, Pünktlichkeit und Arbeitsmethodik teilen werden. Diese solide technisch-soziale Basis fördert eine zwangslose Kommunikation und führt Ihr gemeinsames Projekt zum nachhaltigen Erfolg.

Erreichbarkeit in Echtzeit

Ihr Nearshoring-Partner ist für Sie zu den gewöhnlichen Arbeitsstunden sowie auch im Notfall jederzeit erreichbar, so, als ob er im Nebengebäude sitzen würde. Dies ist nicht nur für das Tagesgeschäft wichtig, sondern gerade in Notsituationen äusserst relevant.

Räumliche Nähe

Auch wenn Sie mit Ihrem Nearshoring-Partner hauptsächlich online arbeiten werden, können persönliche Besprechungen – ob wegen Schulungen, Projekttreffen oder Problemlösungen – notwendig sein und diese sind dann auch problemlos und zeitnah bei Ihnen vor Ort oder bei Ihrem Nearshoring-Partner zu organisieren. Die Autofahrt aus den anliegenden Bundesländern und Österreich dauert nur wenige Stunden und auch die Flugzeit von jeder deutschen, österreichischen und schweizerischen Grossstadt nimmt in der Regel nicht mehr als anderthalb Stunden in Anspruch.

Lingua franca Englisch und Deutsch

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern spricht gerade in den Grossstädten ein überwiegender Teil der polnischen Bevölkerung ein recht gutes Englisch. Unter den Hochschulabsolventen und im IT-Bereich ist es sowieso ein Muss, weil die lingua franca in der Softwareentwicklung Englisch ist. Sie können also davon ausgehen, dass die Kommunikation mit Ihrem Nearshoring-Partner reibungslos verlaufen wird. Gerade in den an den deutschsprachigen Raum angrenzenden Regionen werden Sie auch oft Nearshoring-Partner finden, mit denen Sie auch problemlos auf Deutsch kommunizieren können.

Erfahrene Entwickler

Laut Tholons Services Globalization Index ist Polen unter den Top20 Digital Nations (4) und die polnischen Programmierer gehören zur anerkannten Weltklasse. Seit Jahren erobern sie die anspruchsvollsten Arbeitsmärkte und ihre Projekte erhalten hohe Anerkennung bei Kunden und internationalen Branchenwettbewerben. Laut HackerRank gehören polnische IT-Entwickler zur absoluten Weltspitze (5), so auch im Topcoder-Ranking (6). Derzeit arbeiten in Polen über 250.000 Programmierer, was etwa 25% aller mittel- und osteuropäischen IT-Fachkräften ausmacht.

Preisleistungsverhältnis

EU-Nearshoring-Länder wie Polen sind keine Niedriglohnländer wie China und Indien, die Gehälter und Lebenserhaltungskosten sind hier aber immer noch bedeutend niedriger als zum Beispiel in Deutschland oder in der Schweiz, wo die Arbeitskosten der Entwickler von 2,5 bis 4,5-mal höher liegen (7). Durch das Nearshoring können also Kosten bedeutend eingespart werden, ohne auf Qualität, Nachhaltigkeit und Sicherheit zu verzichten.

Rechtssicherheit und Datenschutz

EU-Nearshoring bietet nicht nur Rechtssicherheit und problemlose Buchhaltungs- und Bankgeschäftsabwicklung. Auch ist das Brennthema Datenschutz in allen EU-Ländern gleichermassen rechtlich abgedeckt (8). Unternehmen, die dagegen IT-Dienstleistungen außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums nutzen, müssen prüfen, ob ein angemessener Datenschutz gewährleistet ist, wobei dieser gerade in beliebten Offshore-Ländern wie Indien, Serbien, Weißrussland oder Vietnam als nicht angemessen gilt (9). Beim EU-Nearshoring brauchen Sie sich dagegen nicht um den Datenschutzbereich und Compliance Sorgen zu machen, denn hier gelten genau dieselben Schutzregelungen wie im gesamten EU-Rechtsraum und nun mit dem neuen Schweizer Bundesgesetz über den Datenschutz auch in der Schweiz.

DACH Technologieunternehmen entscheiden sich für Nearshoring

In Deutschland herrscht Fachkräftemangel, insbesondere im IT-Bereich. Laut einer Statista-Studie liegt derzeit die Zahl der offenen Stellen für IT-Spezialisten bei 86.000 (10). Dabei spielen nicht nur fehlende Qualifikationen der Bewerber eine Rolle, sondern auch deren hohe Gehaltsforderungen (11). Um diese Lücke zu schließen, hat die deutsche Wirtschaft bereits hunderte von IT-Spezialisten aus Polen eingestellt. Diese Erfahrung und die aus ihr entstandene Vernetzung ist wohl auch dafür verantwortlich, dass deutsche Unternehmen auch zunehmend Polen als beliebten Nearshoring-Standort wählen.

Deutschland fehlen IT-Fachkräfte

Auch in Österreich wird zunehmend auf Nearshoring gesetzt. Vor Jahrzehnten wurden Programmieraufgaben von Deutschland ins kostengünstigere Österreich vergeben. Nun fehlen laut Angaben des WKÖ-Fachverbands für Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT) rund 24.000 IT-Fachkräfte (12). Laut einer weiteren Studie von Ernst&Young beklagen 83% der österreichischen Mittelstandsunternehmer den Fachkräftemangel und 40% weisen deswegen Umsatzeinbußen aus (13). Am eindrücklichsten ist der Mangel an IT-Fachkräften, weswegen 26% Stellen bereits jetzt unbesetzt bleiben (14).

In Österreich wird zunehmend auf Nearshoring gesetzt

 

Schweizer Unternehmen sind traditionell etwas vorsichtiger und bevorzugen das Onshoring vor Ort, stehen aber aufgrund des Kostendrucks und der Verfügbarkeit von IT-Fachkräften vor grossen Herausforderungen. Laut einer Studie des Instituts für Wirtschaftsstudien Basel (IWSB) werden in der Schweiz bis 2028 insgesamt fast 120.000 neue ICT-Fachkräfte benötigt (15). Deswegen wird auch hier das Nearshoring immer mehr zum Wegweiser (16), und zwar zunehmend nicht nur innerhalb des deutschsprachigen Raums, sondern auch in andere EU-Länder.

Unternehmer wissen, dass die Qualität und Nachhaltigkeit im IT-Bereich, die Rechtssicherheit im Datenschutz, sowie institutionelle und soziale Faktoren im Arbeitsbereich bei der Wahl von Nearshoring-Standorten entscheidend sind. Das Nearshoring innerhalb des EU-Raums sichert gleichzeitig beides ab: Kosteneffizienz und den reibungslosen Arbeitsablauf über die Grenzen hinweg.

 

(1) https://www.statista.com/outlook/tmo/it-services/it-outsourcing/worldwide
(2) https://www.mckinsey.de/news/presse/2020-08-06-global-value-chains
(3) https://www.ft.com/content/a6522194-f765-40cc-867e-9ecc80202490
(4) https://ict.moscow/en/research/services-globalization-index-2020/
(5) https://blog.hackerrank.com/which-country-would-win-in-the-programming-olympics/
(6) https://community.topcoder.com/stat?c=country_avg_rating
(7) https://nearshoring.shinyapps.io/io_iframe/
(8) https://www.it-finanzmagazin.de/offshoring-am-ende-116644/
(9) https://steigerlegal.ch/2020/07/17/privacy-shield-urteil-schweiz/
(10) https://de.statista.com/infografik/16584/zu-besetzende-it-stellen-in-der-deutschen-gesamtwirtschaft/
(11) https://www.heise.de/newsticker/meldung/Fachkraeftemangel-82-000-offene-Stellen-fuer-IT-Fachkraefte-4249532.html
(12) https://oesterreich.orf.at/stories/3084920/
(13) https://www.ey.com/de_at/news/2019/03/83-prozent-der-oesterreichischen-mittelstandsunternehmen-finden-keine-fachkraefte
(14) https://www.businessart.at/fachkraeftemangel-im-oesterreichischen-mittelstand
(15) https://www.netzwoche.ch/news/2020-09-11/mangel-an-ict-fachkraeften-in-der-schweiz-verschaerft-sich
(16) https://www.zhaw.ch/de/sml/institute-zentren/imi/competence-centers-teams/center-for-emea-business/business-in-europe/nearshoring/

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